Dezember 2023

Interest rate forecast


Our interest rate forecast is a result of internal discussions in which we discuss interest rate forecasts of the major banks. We share our opinion with you on this page as a suggestion for your consideration. Please note that an examination of all economic forecasting models used to date found that no model was able to predict the economic future.

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Unsere zu Jahresbeginn abgegebene Prognose eines Zielkorridors von

2,50 % - 3,50 % für den 10-jährigen MidSwap hat sich auch in der zweiten Jahreshälfte als richtig erwiesen. Lediglich Anfang Oktober kam es zu einem kurzfristigen Ausbruch auf 3,52 %. Damit hat sich unsere im September getroffene Annahme einer Obergrenze von 3,30 % leider nicht bestätigt.


Beide Zentralbanken haben zuletzt eine Zinserhöhungspause eingelegt und beobachten die weitere Entwicklung.


Die Inflationsrate im Euroraum für Oktober wurde von Eurostat mit 2,9 % angegeben. Im Ländervergleich stehen nun 6 Länder mit Inflationsraten unter 2 % sehr gut da. Die Niederlande und Belgien weisen mit -1 % bzw. -1,7 % sogar eine Deflation auf. Deutschland hat mit einer Inflationsrate von 3,0 % fast eine Punktlandung auf dem gewichteten Durchschnitt der Eurozone hingelegt. Aufgrund unterschiedlicher Berechnungsmethoden liegt die von Eurostat für die Bundesrepublik ausgewiesene Inflationsrate unter dem Wert des Statistischen Bundesamtes. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels lagen die endgültigen Inflationsdaten für November noch nicht vor, aber die vorläufige Rate für die Eurozone weist mit 2,4 % in die richtige Richtung.


Die Berechnung der Inflation in der Eurozone erfolgt als kaufkraftgewichteter Durchschnitt der Länder. Da Deutschland und Frankreich mit rund 27 % bzw. 20% den größten Anteil daran haben, wird sich die weitere Entwicklung hier am stärksten auf die europäische Gesamtinflation auswirken. Frankreich hat mit einer Inflationsrate von

4,5 % noch einen deutlich längeren Weg vor sich als Deutschland.


Für die weitere Inflationsentwicklung im Euroraum sehen wir gewisse Risiken im Bereich der Energiekosten. Die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) ist bereits langsamer gesunken als die Gesamtinflation. Mit dem Wintereinbruch und möglichen Interventionen der OPEC zur Preisstabilisierung könnten sich Kostensteigerungen ergeben, die den Inflationsrückgang verzögern.


Auch der Wegfall von Basiseffekten, die die aktuellen Inflationszahlen positiv beeinflussen, kann bereits im nächsten Monat zu einem Anstieg der Inflationsrate führen. Sie kommen zustande, da die zur Ermittlung der Inflationsrate herangezogenen Vergleichswerte aus den Vorjahresmonaten (Oktober und November 2022) besonders hoch sind.


Ferner könnten auslaufende länderspezifische Inflationshilfen die Inflationsrate im Euroraum erneut anfachen. In Deutschland etwa könnten sich die Erhöhung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie und das Ende der Energiepreisbremse negativ auf die Inflationsentwicklung im ersten Halbjahr 2024 auswirken.


Am Zinsmarkt sank der 10-jährige MidSwap seit dem 19. Oktober deutlich von 3,47 % auf 2,67 % am 7. Dezember. Der EURIBOR stagniert seit den Höchstständen im Oktober bei Raten knapp unter 4,0 %. Wir führen dies auf die grundsätzlich sehr positiven Signale zur Inflationsentwicklung in Europa und den USA zurück, die die Marktteilnehmer veranlasst haben dürften, Zinssenkungen im Jahr 2024 frühzeitig einzupreisen. Entsprechende Äußerungen waren unter anderem von Fed-Direktor Christopher Waller zu vernehmen, der gute Gründe für geldpolitische Lockerungen sieht, sofern die Inflation weiter sinkt.


Pierre Wunsch, der Notenbankchef von Belgien, sieht die frühzeitige Einpreisung von Zinssenkungen hingegen als problematisch an. Dies könne zu einer Unterminierung der restriktiven Geldpolitik der EZB führen und dann Korrekturmaßnahmen erforderlich machen. Auch unabhängig von den Entwicklungen an den Kapitalmärkten behält sich die EZB je nach Datenlage weitere Zinserhöhungen auch gegen Markterwartungen vor.


Die nächsten Sitzungen der EZB finden am 14. Dezember 2023 und am 25. Januar 2024 statt. Für die Dezembersitzung erwarten wir keine Änderungen. Auf der Januarsitzung werden die Jahresinflation 2023 sowie die Entwicklung an den Kapitalmärkten eine Rolle spielen. Sollten die Daten dann einen Zinsschritt erfordern, dürfte dieser sehr deutlich ausfallen, um die Erwartungen der Kapitalmärkte zu dämpfen und die eingepreisten Zinssenkungen zu kompensieren.


Für die weitere Entwicklung des 10-jährigen MidSwaps und des EURIBOR halten wir bis Anfang Januar eine Seitwärtsbewegung für wahrscheinlich. Sprünge an das obere Ende des zu Jahresbeginn prognostizierten Korridors bei den MidSwaps halten wir in diesem Zeitraum für eher unwahrscheinlich. In der Vergangenheit bezeichneten die Zentralbanken den Inflationsrückgang als "bumpy road", was bedeutet, dass die Disinflation nicht linear verläuft, sondern von starken Ausschlägen (nach oben und unten) begleitet wird. Wir gehen davon aus, dass sich dies in den kommenden Monaten auch in den Mid-Swaps widerspiegeln wird. Beginnend mit dem starken Zinsrückgang zum Monatswechsel November/Dezember könnten sich die Mid-Swaps fortan in Abhängigkeit von den Inflationsdaten und der Kommunikation der Notenbanken in einem breiteren Spektrum des Zinskorridors von 2,5 % und 3,5 % bewegen als im vergangenen Halbjahr. Ein Aufwärtstrend in Richtung 3,5 % könnte bereits Ende Januar 2024 einsetzen, insbesondere wenn sich abzeichnet, dass die EZB den Leitzins länger als derzeit erwartet auf dem aktuellen Niveau belassen könnte.


Auch wenn sich die meisten Banken bereits im Jahresendgeschäft befinden und Neuanträge voraussichtlich überwiegend erst im nächsten Jahr genehmigt werden können, ist es ein guter Zeitpunkt, anstehende Finanzierungen frühzeitig am Markt zu platzieren, da diese im neuen Jahr bevorzugt umgesetzt werden können. Damit besteht die Möglichkeit, die aktuelle Zinslandschaft noch zu nutzen.


Für das kommende Jahr zeichnen sich in Abhängigkeit von der Baukonjunktur, der Zinsentwicklung sowie der Immobilienmarktpreise verschiedene Unwägbarkeiten ab, die sich negativ auf die Kreditvergabebereitschaft und -möglichkeiten des Bankensektors auswirken können. Erste Bremsspuren aus Insolvenzen im Immobiliensektor dürften sich in den Jahresabschlüssen der Kreditinstitute zeigen. Weitere Insolvenzen auch größerer Unternehmen sind nicht auszuschließen und könnten den Risikoappetit und die Kreditvergabekapazität insgesamt eintrüben.


Berlin, den 11.12.2023


Robert Rakau

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Autor

Robert Rakau

Partner, Senior Consultant 


robert.rakau(at)dima-finanzierung.de


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